Mörtelsorten

Mörtel als Bindeglied zwischen Mauersteinen

Mauerwerksmaterialien werden bis auf ganz wenige Ausnahmen (Trockenmauerwerk) mit Mörtel dauerhaft untereinander verbunden. Mörtel besteht aus größenabgestimmten Gesteinskörnungen, Bindemitteln, Wasser und Zusatzstoffen zur Verbesserung der Verarbeitungs- und Mörteleigenschaften.

Fachgerecht aufgetragener Mörtel in Lagerfugen und bei einigen Steinformaten auch in den Stoßfugen sorgt für eine kraftschlüssige Verbindung, die es ermöglicht, dass das Mauerwerk vertikale Druckkräfte, Biegekräfte und Schubkräfte aufnehmen kann. Die Auswahl des geeigneten Mörtels ist auf die vorgesehene Steinart und auf bauphysikalische Anforderungen abzustimmen. Neben dem Mörtel für das Mauerwerk in Form von Normal-, Dünnbett- und Leichtmörtel gibt es für Sonderanwendungen weitere Mörtelsorten wie Mörtel für Verblendsteine oder Kimmsteine.

Dünnbettmörtel

Für Mauerwerk aus besonders maßhaltigen Steinen wird Dünnbettmörtel mit einer Lagerfugendicke zwischen 1 und 3 mm verwendet. Porenbeton und Kalksandstein lassen sich am einfachsten mit Dünnbettmörtel verarbeiten, der genau auf das Mauerwerk abgestimmt ist. Sein Einsatz als  Werktrockenmörtel ist nach der europäischen Produktnorm EN 998-2, nach der der DIN V 18580 und nach Zulassungen geregelt. In der Zusammensetzung handelt es sich um Zementmörtel aus der nach DIN 1053-1 bekannten Mörtelgruppe III mit einer Trockenrohdichte von über 1.500 kg/m3. Nach europäischer Einstufung der EN 998-2 ist Dünnbettmörtel mindestens ein M10-Mörtel, mit schnell aushärtendem Zement und einer Mindestdruckfestigkeit von 10 N/mm2.

Ein drehzahlgeregelter Mörtelmischer sowie ein weiteres Aufmischen nach kurzer Reifezeit vermeidet Klümpchen. Je nach Witterung lässt sich der angerührte Mörtel bis zu vier Stunden verarbeiten und darf danach nicht mit Wasser verlängert werden. Ist der Mörtel einmal aufgetragen, ist er fünf bis sieben Minuten lang korrigierbar, bis sich die Schicht verfestigt.

Einige Steinformate und besondere Anwendungen erfordern auch vermörtelte Stoßfugen. Das hat einerseits – beispielsweise bei Brandwänden – normative und zulassungstechnische Gründe und dient andererseits der Qualitätssteigerung.

Bei Steinen mit Nut- und Federseiten kommt der Dünnbettmörtel auf die Fläche der Nutseite, die Federseite wird anschließend an den Folgestein herangeschoben. Ein Mörtelauftrag ist stets bei unprofilierten Stoßfugenflächen – wie bei geschnittenen Steinen – zu empfehlen, um ein qualitätsvolles Mauerwerk zu errichten.

Normalmörtel

Der zuvor beschriebene Einsatz von Dünnbettmörtel bedarf einer ebenen ersten Steinlage. Hierfür wird die erste Steinreihe (die Höhenausgleich- oder Kimmschicht) in ein Normalmörtelbett gesetzt. Die geschieht mit einem reinen Zementmörtel der Mörtelgruppe III. Heute verwendet man üblicherweise Sackware. Das Mischungsverhältnis von 1 Raumteil Zement und 4 Raumteilen Sand ist bereits werksmäßig eingestellt. Die Kimmschicht gleicht Unebenheiten der darunterliegenden Bauteile wie Betondecken oder Betonbalken aus. Diese Bauteile sind nach DIN 18202 – „Toleranzen im Hochbau“ – mit den dort genannten Grenzmaßen der Ebenheit auszuführen. Von daher beträgt der Mörtelauftrag 2 – 3 cm im Mittel für die Kimmschicht und verteilt sich auf die gesamte Steinbreite. Kimmschichten werden üblicherweise nur einlagig ausgeführt, doch im Rahmen allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassungen sind auch zweilagige Schichten erlaubt. Dann muss jedoch unbedingt Dünnbettmörtel eingesetzt und das Überbindemaß beider Steinlagen berücksichtigt werden. Normalmörtel eignet sich auch für kleinformatiges Kalksandsteinmauerwerk und Verblender.

Bei Mauerwerk ohne besondere Belastungen reicht Normalmörtel der Mörtelgruppe IIa aus, der in geringem Maß aus 2 Raumteilen hochhydraulischem Kalk (HL5), 1 Raumteil Zement und 8 Raumteilen lagerfeuchtem Sand besteht. In der Regel wird der Normalmörtel für umfangreiche Baumaßnahmen als Werkfrischmörtel im verarbeitungsfertigen Zustand ausgeliefert. Er ist nach den vorgegebenen Stand- und Verarbeitungszeiten zu verwenden.

Eine zusätzliche Wasserzugabe ist weder erforderlich noch zulässig. Beim Auftragen ist eine Mörtelfuge im Mittel von 12 mm Dicke (formatabhängig) einzuhalten. Werden auch Stoßfugen vermörtelt, so ist eine mittlere Mörteldicke von 10 mm geeignet.

Vormauermörtel

Eine besondere Form des Normalmörtels ist der Vormauermörtel, der bei der Verarbeitung von Verblend- und Sichtmauerwerk mit Fugenbreiten zwischen 10 und 15 mm zum Einsatz kommt. Er ist exakt auf das Mauerwerk abgestimmt, sodass die Verblendung vollfugig vermörtelt werden kann. Die eingesetzten Rohstoffe wirken bei fachgerechter Verarbeitung Auslaugungen und Ausblühungen entgegen. Der werksseitig hergestellte Trockenmörtel ist nach Herstellerangaben mit Wasser zu vermengen und erlaubt anschließend, das Sichtmauerwerk innerhalb eines Arbeitsgangs „frisch in frisch“ zu erstellen. Ist das Mauerwerk vollfugig ausgeführt, können herausquellende Mörtelreste im frischen Zustand abgestreift und weiterverwendet werden. Anschließend lässt sich die Fugenoberfläche verdichtend glatt streichen und der Mörtel kann aushärten.

So ist in wenigen Schritten ein homogener und fachgerechter Fugenaufbau zu erzielen.